alles relatief

Als ich im Sommer beim Gender Happening an einem Schreib-Workshop teilgenommen habe, kreisten meine Gedanken anfangs fast ausschließlich darum, was die anderen von mir denken. Und das in einem Umfeld, in dem eine Offenheit zu erwarten war, weil sich da Menschen bewegten, die Geschlechtergrenzen bereits hinterfragen. Trotzdem fühlte ich mich als bunter Hund. Da schwirrten Gedanken in meinem Kopf herum, ob ich es erkläre, warum ich einen Bart habe, ob ich das Thema bei den Schreibübungen aufgreife oder nicht, ob ich zu penetrant bin, wenn ich über den Bart schreibe, ob ich Unbehagen schüre, wenn ich gar nichts dazu sage.

Heute hat ein neuer Workshop begonnen, und ich habe erst auf dem Heimweg bemerkt, dass ich heute ganz anders gedacht habe. Meine Gedanken konnten bei den Schreibaufgaben frei fließen. Ich habe mich überhaupt nicht mehr um die Reaktionen gesorgt, sondern einfach meiner Kreativität freien Lauf gelassen. Genauso, wie ich beim Schreiben mal an meinen linken kleinen Finger denke, oder an meine Nase, und diese Körperteile doch jederzeit akzeptiere und liebe, wie sie sind, werde ich hoffentlich in Zukunft manchmal an meinen Bart denken können und ihn jederzeit akzeptieren und lieben. Das wünsche ich mir :-) .

Eine Antwort schreiben