heftig

Mittlerweile sind im Netz Hunderte Reaktionen zu dem Film „Weiblich, bärtig, ich“ über Mariam bei brigitte zu lesen. Alles von „eklig“ bis „bewundernswert“. Kaum jemand äußert sich neutral, es geht oft in die Extreme, mit aller Vehemenz.
Ich habe einen Forenbeitrag gefunden, der für mich etwas Besonderes ist. arouet58 ist kein Befürworter von Mariams Aktion. Eher das Gegenteil davon. Bisher ist es der einzige, der weder urteilt („die Frau hat doch Probleme, das ist doch unnatürlich, unweiblich, sowas will doch kein Mann“ etc.) noch Ratschläge gibt, was Mariam tun sollte, sondern sagt, wie es ihm selbst geht. Das bringt uns weiter und ich freue mich über arouet58’s Erlaubnis, seinen Text hier zu zitieren:

Ich muss gestehen, dass ich über meine Reaktion erstaunt bin.
Ekel ist zuviel gesagt, zu sagen, ich fände das Bild nur unschön, zu wenig, Diese Heftigkeit meiner Reaktion war es, die mich überraschte.
Stolz darauf bin ich nicht, denn sie wird dem Menschen hinter dem Bart nicht gerecht, aber diese Reaktion ist vorhanden, ich kann sie nicht verleugnen, weiß nicht, warum sie so heftig ist.
Sie erschwert es mir ungemein, dem Menschen hinter dem Bart auch nur eine Chance zu geben.
Ich sträube mich gegen diesen Anblick, sehr seltsam.
Mit meiner Reaktion auf Homosexuelle ist das überhaupt nicht zu vergleichen.
Tuntige Schwule nerven mich, ich finde sie lächerlich, aber alles andere als ekelhaft.
Das Gleiche gilt für Transvestiten oder Transsexuellle, deren Männlichkeit deutlich wahrnehmbar ist.
Unauffällige Schwule lösen bei mir überhaupt keine besondere Reaktion aus, weder eine positive noch negative. Ich reagiere auf sie wie auf heterosexuelle Männer.
Der Mensch kann mir da sympathisch oder unsympathisch sein.
Ich hätte keine Mühe, ihm eine Chance zu geben, mich auf ihn einzulassen.
Ähnlich geht es mir mit lesbischen Frauen, denen ich vielleicht mit einem gewissen Anfangsmißtrauen begegne, weil ich erwartete, mit erhöhter Wahrscheinlichkeit auf Männerverachtung zu stoßen.
Stelle ich aber fest, dass dieses Mißtrauen ungerechtfertigt ist, habe ich gegenüber Lesben keinerlei Berührungsängste, verbinde keine negativen Gefühle mit ihnen.
Das ist bei dieser Frau anders.
Warum ich auf eine bärtige Frau so heftig reagiere, ich weiß es nicht.
Es erstaunt mich, erschreckt mich fast.

An alle, die ähnlich heftig reagieren: ich bin neugierig. Und ich wäre sehr gespannt darauf, von euren Reaktionen zu lesen.
Was genau fühlt ihr bei Mariams Anblick? (Verunsicherung, Abwehr, Erschrecken, Aufregung, Faszination …? Herzklopfen, Ameisen in der Herzgegend?)
Welche Assoziationen kommen euch? Habt ihr euch schon mal ähnlich gefühlt?
Ändern sich eure Gefühle mit der Zeit oder bleiben sie?

Eine Antwort

  1. Liebe Loewin,

    ich schreibe nicht aus der Sicht derjenigen, die heftig auf das Bild einer Frau mit Bart reagieren, doch ich möchte mich hier trotzdem dahingehend äussern, dass mir diese Heftigkeit oder jegliche negative Reaktion vollkommen unverständlich ist.
    Da wird ständig von Vielfalt geredet und dann fallen die Menschen tot um, wenn eine Frau Haare im Gesicht hat. Ich finde Mariams Gesicht sehr sympatisch und einnehmend.

    Grüsse,
    Sarah

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