Zutiefst unentschlossen … Eine Heilpraktikerin hat mir eine Behandlung angeboten.
Ich sehe zwei breite Wege vor mir, die ihrerseits wieder viele mögliche Abzweigungen haben. Einen der beiden Wege gehe ich mit Bart, einen gehe ich ohne Bart. Beide sind möglich. Beide sind wertvoll. Beide sind spannend. Auf beiden Wegen entwickle ich mich, bin mit wunderbaren Menschen zusammen, mache einmalige Erfahrungen. Auf beiden Wegen bin ich gesund und glücklich.

Gabelung (c) pixelio / Silke Maier
Das einzige Problem: ich kann nicht beide gehen. Ich kann mich jetzt für den Weg mit Bart entscheiden, und dann irgendwann später auf den ohne Bart einbiegen. Umgekehrt wird es eher schwierig, oder? Unmöglich nicht.
Es könnte sein, dass ich die Behandlung mache und dass sich mein Körper weigert, den Bart loszulassen. So wie er sich vielleicht weigern würde, die Achselhaare loszulassen. Es könnte sein, dass sich durch das Medikament andere Wirkungen einstellen. Wünschenswerte oder nicht wünschenswerte.
Ich bin gerade sehr nah am Wasser … Es geht mir gut, ich erlebe oft intensive Glücksgefühle. Ich bin nah an mir selbst, es ist wunderbar, die Unentschlossenheit zuzulassen. Ich weiß nicht, was besser ist. Ich kann handeln oder nicht handeln. Beides ist gut.
Wenn ich einen schmerzenden Fuß habe, nicht richtig sehen kann oder chronisch zu wenig Geld auf dem Konto, dann ist mir klar, dass ich das heilen möchte. Diese Dinge schränken mich ein, stören, machen mein Leben unbequemer, ich würde sie ändern wollen und ich wüsste, warum und wozu.
Aber will ich meinen Haarwuchs wirklich heilen??? Die Haare tun nicht weh. Dass mein Bart andere stört, verunsichert, erschreckt, ist nicht meine Angelegenheit. So wie ich jetzt bin, schaue ich mich gern im Spiegel an. Lieber als vorher. Bin ich deshalb weniger gesund? Irgendwie abartig? Ich bin lieber mit Menschen zusammen, die mich so nehmen, wie ich jetzt bin. Manche finden mich jetzt schöner als vorher. Ich bin weniger gern mit Menschen zusammen, die mich krank, abstoßend, erschreckend finden. Erwachsene erschrecken sich eher als Kinder. Kinder haben kaum Berührungsängste. Sie sind neugierig, stellen viele Fragen, und dann tun sie, was sie auch ohne meinen Bart gern getan hätten.
Kann eine Behandlung erfolgreich sein, wenn ich nicht weiß, ob das Ziel für mich erstrebenswert ist? Bei einigen Heilpraktikern habe ich schon gelesen und gehört, dass sie erstmal mit dem Klienten herausfinden, ob er geheilt werden möchte. Und diese HP würden mich vermutlich erstmal wieder nach Hause schicken.
Würde ich mich von jemandem behandeln lassen wollen, wenn die Behaarung von vornherein als krank angesehen wird? Will ich mich noch damit auseinandersetzen, ob ein Bart bei einer Frau sein darf oder nicht? Fühle ich mich wohl bei Menschen, die sagen: „Aber da kann man doch was dagegen machen?“
Will ich mir und anderen eher zeigen, dass „Hirsutismus“ eine Krankheit und heilbar ist? Wäre es mir wichtiger, die Botschaft auszusenden, dass die Übergänge zwischen männlich und weiblich fließend sind und dass eine Frau auch mit „männlichen Attributen“ glücklich und erfolgreich sein kann? Will ich aussehen wie jede andere normale Frau, oder will ich ein Original sein? – Keine Frage, es gibt noch sehr viel mehr Originales an mir, auch wenn ich keinen Bart hätte. Wenn es dieses Thema nicht gäbe in meinem Leben, hätte ich trotzdem keine Sekunde Langeweile. Ich finde es aber nun mal wahnsinnig spannend.
Jetzt setze ich mich mal mit dem Homöopathiebuch in die Sonne
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PUH! Ich weiß nicht……findet die Heilpraktikerin Deinen Bart falsch oder störend oder unpassend? Findest Du ihn falsch? Was willst Du!?
In der Homöopathie gibt es so einige Mittel gegen den Bartwuchs wie Thuja….warum solltest Du etwas dagegen machen?! Würdest Du auch etwas gegen einen zu dicken Bauch oder zu dicke Oberschenkel einen zu dünnen Po machen?!
Hättest Du lieber braune Augen und dicke oder gar keine Augenbrauen? Wir leben in einer Gesellschaft wo man immer wieder meint das was ist verändern zu müssen. Warum bitte schön kann nicht mal etwas das ist einfach sein!
Lieben Gruß Marianna
Huhu Marianna,
„Was willst Du!?“
Das ist ja gerade mein Dilemma. Unentschieden. 1:1.
Wenn ich das wüsste …
„Würdest Du auch etwas gegen einen zu dicken Bauch oder zu dicke Oberschenkel … machen?“
Da geht es mir ähnlich – ICH WEISS ES NICHT. Ich will mich selbst annehmen mit allem, was ich bin und habe. Aber ich will halt auch beweglich und voll guter Energie sein. Und wenn ich mit dickem Bauch schwerfällig bin und Rückenschmerzen kriege, dann täte ich gern was FÜR einen gut proportionierten Bauch.
Ich würde nichts _gegen_ den Bart (oder den Bauch oder was auch immer) machen wollen.
Ich würde gern noch einiges _für_ mich tun, es gibt mehrere Sachen, die ich schon gern verändern würde. Und wenn da so ganz nebenbei der Bart ausfällt oder nicht mehr weiterwächst, hätte ich kein Problem damit. Glaub ich jetzt. Kann dann ganz anders sein. Wenn der Bart einen Sinn hat, müsste es ja bei einer erfolgreichen, z.B. homöopathischen, Behandlung so sein, dass sich alle anderen Symptome bessern oder verschwinden und der Bart bleibt, oder?
Keine Ahnung, bin gerade sehr ratlos.
LG
Lisa
Vielleicht ist diese Unzufriedenheit und Unentschlossenheit auch ein Zeichen das gerade sowieso eine neue Phase beginnt eine Zeit des Umbruchs und der Neufindung!? – Wenn es mir gut geht dann ist mit dem Bart auch alles ok. Wenn nicht denke ich mein Mißgefühl liegt am Bart oder am dicken Bauch. – Irrtum!! DAs naheliegenste wird dann zum Sündenbock!! Wenn nicht der Partner der Job oder sonstwer dann eben der eigene Körper der Schuld am Unwohlsein ist!!
Lieben Gruß Marianna