angezogen?

Gestern veröffentlichte Frank Obels in seinem feel-better-Blog einen Artikel mit dem Titel „Wenn andere dich ‘doof’ finden und hinter deinem Rücken ‘lästern’„.

DAS ist gerade mein Thema. Als ich am Sonntag auf dem Heimweg war, ging ich in mich und fühlte u.a. nach, wie es wäre, wenn die Dortgebliebenen jetzt darüber reden, wie unmöglich ich mit Bart aussehe :-) . Ich war bei dem Gedanken sehr gleichmütig. Sie können tun, was sie wollen, reden, über wen sie wollen. Und so ist es mit allen anderen – wenn mich jemand anspricht, wenn mich jemand nicht anspricht, wenn mich jemand beschimpft, auslacht, bewundert, mutig findet … Es ist immer eine Information über diesen Menschen.

Und wenn ich selbst davon verunsichert, traurig, geschmeichelt, erfreut bin, dann ist das MEIN Pro-blem.

Wenn ich Energie in meine Traurigkeit und Verunsicherung gebe, werde ich mehr davon bekommen. Wenn ich, wie Frank Obels vorschlägt, meine „eigene Energie so nach oben ziehe, dass ich so herrlich hochfrequent schwinge, dass diese Dinge einfach an mir abprallen“, fühle ich mich sehr viel besser, großartig, als hätte ich Flügel, die mich tragen, wohin ich will :-) .

Ich kann wählen: Trauer, Unsicherheit, Verstecken wegen der Reaktion der anderen? Oder voll guter Energie sein und tun, was ich will … Es ist meine Entscheidung, und sie ist schon zu Gunsten der guten Energie gefallen.

Ein großes Fragezeichen habe ich noch im Kopf in Bezug auf Anziehung, Energie und den Gaben des Universums. Und ich wäre zu dankbar, wenn jemand eine Antwort darauf hätte: Wodurch habe ich die Gesichtshaare angezogen, was will mir das Universum damit sagen? Will ich sie loswerden oder nicht?

Als mein Haarwuchs begann, der für eine Frau doch etwas ungewöhnlich ist, hatte ich keine Angst vor Haaren im Gesicht. Wirklich nicht? Hm, ich weiß nicht. Meine Beine fand ich schon in der Schulzeit zu haarig. Und mir war das nicht ganz unwichtig. Anscheinend fand es das Universum vergnüglicher, den Pelz noch an andere Stellen zu zaubern, wo er NOCH auffälliger war, als einfach nur mehr Beinhaare wachsen zu lassen. „Liebes Leben, danke, für all deine Gaben …“

Dann habe ich gegenüber der Außenwelt jahrelang so getan, als gäbe es die Haare nicht. Ich hatte Angst, dass jemand entdeckt, wie mein Körper wirklich ist. Ich hatte Angst, dass mich jemand dabei erwischt, wie ich mir die Haare entferne. Ich hatte Angst, mich zu zeigen, wie ich bin. Das könnte natürlich schon ein guter „Haarwuchs-Motor“ gewesen sein.

Warum kriegen dann nicht alle die, die Beinhaare und Achselhaare hässlich, eklig usw. finden, auch einen Bart? Warum ICH? (upps, da ist wohl noch ein Rest „Gerechtigkeitsdenken“. Wahrscheinlich haben diese Frauen ganz andere Päckchen zu tragen, oder sie sind nicht so mutig wie ich, und das Universum hat was ganz anderes für sie bereit)

Bis jetzt ist es mir immer noch nicht egal, wie ich aussehe und was die anderen von mir denken. Ich schaue in den Spiegel, und ich sehe ein angenehmes, lebendiges, sympathisches Gesicht mit schönen Zügen und wachen Augen. Und mit einem schwarzen Schatten am Kinn. Ungewöhnlich, ungewohnt, und doch schön. Jedenfalls schöner als epiliert oder stopplig. Ein Mann würde wahrscheinlich nur darauf schauen, ob ihm der Bart steht oder nicht. Er würde Unterschiede wahrnehmen, er würde verschiedene Meinungen und Kommentare anhören, und den Bart dann lassen oder rasieren. Weil er es möchte.

Ich finde mich schön, wie ich bin, und ich habe gleichzeitig Angst, mich anderen zu zeigen.
Ich bin verwundert, dass ein paar Haare im Gesicht so viel Verunsicherung auslösen.
Ich wüsste gern, ob ich diesem Thema zu viel Energie widme, und ob der Bart vielleicht verschwinden würde, wenn ich keinen Blog mehr darüber schreibe, kein Forum dazu unterhalte, nicht mehr darüber nachdenke. Ich frage mich, ob „bartlos“ irgendwie natürlicher, förderlicher oder so wäre.

Ich hab’s ein paar Monate lang getan – morgens rasiert, nichts im Blog geschrieben, Forum auf Sparflamme weiterlaufen lassen. Und dann stand ich wieder vor denselben Fragen und Ängsten, die bearbeitet werden wollten.

Der Weg geht eher geradezu, den Gefühlen nach: Ängste anschauen, durchgehen, hinter mir lassen. Und dann wird es schlichtweg egal sein, ob ich ‘nen Bart hab oder nicht.

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