Speicheltest

In dem Buch von E. Bucher wird darauf hingewiesen, dass 95-98 Prozent der Hormone im Blut gebundene, nicht aktive Hormone sind und nur 5-2% der Hormone frei und aktiv sind. Die gebundenen Hormone, die vermutlich keine Auswirkung auf den Körper haben, befinden sich im Blutserum.

Die freien, aktiven und somit für die Körperfunktionen relevanten Hormone befinden sich im Blutplasma, im Speichel und zum Teil auch im Urin.

Und wo wird in der modernen Medizin z.b. der Testosteronspiegel gemessen? Das Endokrinologikum misst das Gesamt-Testosteron in 0,5 ml Serum.

Zum freien Testosteron steht da:

Nur etwa 1 % des Gesamt-Testosterons liegt in freier Form, der Rest ist an SHBG gebunden (siehe Testosteron, gesamt).

Die Bestimmung des freien Testosterons ist mit den heute verfügbaren kommerziellen Assays nicht ausreichend reproduzierbar und wird deshalb von uns nicht durchgeführt. Bei Anforderung führen wir die Bestimmung von Testosteron und SHBG durch und berechnen den Freien Androgenindex (FAI).

Seltsam. Wissen die gar nichts vom Speicheltest? Oder ist die Information, dass allein das freie Testosteron relevant ist und dass sich das nur im Speichel oder im Plasma nachweisen lässt, so unwichtig, dass sie nicht mal erwähnt werden muss?

Bei netdoktor finde ich folgende Info:

Testosteron wird aus dem Blut (hier: aus dem Serum) bestimmt.

In einem Artikel in der Welt am Sonntag vom 13.3.2005 schreibt Ingrid Kupczik:

Steroidhormone wie Cortisol, das bei Streß ausgeschüttet wird, das männliche Geschlechtshormon Testosteron oder das weibliche Östradiol gehen problemlos vom Blut in den Speichel über und eignen sich daher hervorragend für die Speicheldiagnostik. Dennoch stützen sich die meisten Ärzte in Deutschland bei Hormonuntersuchungen auf Blutwerte, „obwohl die Ergebnisse kaum Aussagekraft haben“, kritisiert Dr. Wolfgang Ziemann vom Speicheltest-Hersteller „IBL“. Im Blut lasse sich die Gesamtmenge eines Hormons ermitteln. Der Haken ist: Mehr als 95 Prozent der Steroidhormone sind an Bindungsproteine gekoppelt und somit inaktiv. „Für die Wirkung auf den Körper ist allein die Menge der freien Hormone relevant. Die findet man zuverlässig mit einem Speicheltest heraus“, meint Ziemann.

Ok, Dr. Ziemann vertritt einen Speicheltest-Hersteller. Aber die Herren und Damen vom Endokrinologikum verdienen auch an ihren Bluttests. Also aus dieser Perspektive Gleichstand in punkto Glaubwürdigkeit.

5 Antworten

  1. Hallo!
    Ich bin Osteopathin und dabei eine wissenschaftliche Arbeit (Diplomarbeit) zu schreiben. Ich möchte gerne beweisen, dass bestimmte Osteopathische Techniken Einfluss auf die Produktion von Cortisol haben. Ich würde nun gerne alle Infos zum neuen Cortisolspeicheltest benötigen, um evaluiren zu können, ob dieser Test das geeignete Messinstrument für meine Arbeit ist.
    Ich bitte um Zusendung von: Wie funktioniert der Test, wie misst der Test, wie wird das Ergebnis evaluiiert, woher kommt der Test; welche Erfahrungswerte gibt es schon über die Genauigkeit der Testergebnisse!
    Vielen Dank im Voraus Martina

  2. Hallo Martina!
    Wir können Dich dabei sicher unterstützen: Spezialisiert auf den Hormonspeicheltest; wir arbeiten mit hochrangigen Wissenschaftlern und Ärzten zusammen; auch in unserer eigenen Datenbank wird sich da sicher etwas finden lassen….

  3. Hallo!
    Ich hätte auch großes Interesse an den Informationen, die Martina Untermoser im ersten Posting aufgezählt hat.
    Würde mich sehr über eine Email freuen!
    Mfg,
    K.B.

  4. Nachdem die Society of Endocrinology in den USA in einer „Clinical Practice Guideline“ bereits in 2008 den Speicheltest auf Cortisol zur Diagnostik des Cushing Syndroms als eindeutig dem einfachen Bluttest überlegen bezeichnet hat, können eigentlich nur noch Ignoranten den Bluttest bei den Steroidhormonen als den Geeigneteren bezeichnen. Das Gegenteil ist hier der Fall. Details kann man auch auf der Homepage http://www.demeditec.de nachlesen.
    Dr. Wolfgang Ziemann
    Biochemiker

    Details zur erwähnten Diagnistik-Richtlinie sind nachzulesen unter
    LK Nieman et al.
    Titel: The diagnosis of Cushing’s syndrome: An Endocrine Society Clinical Practice Guideline
    Published in: J. Clin. Endocrin. & Metabol. 2008, Vol.93, No.5, pages 1526-1540
    Zusammenfassung: The authors are recommending the lab testing for Cushing’s syndrome in patients with multiple and progressive features compatible with the syndrome, particularly those with a high discriminatory value, and patients with adrenal incidentaloma. They are recommending initial use of one test with high diagnostic accuracy (urinary cortisol, late night salivary cortisol, 1 mg overnight or 2 mg 48-h dexamethasone suppression test).

  5. Ich möchte noch einmal auf den obigen Beitrag eingehen und über meine persönlichen Erfahrungen mit dem Endokrinologikum in Hamburg berichten.
    1. Der Hinweis auf das freie Testosteron bei der Quelle Endokrinologikum bezieht sich auf das freie Testosteron im Serum. Dies entzieht sich tatsächlich der direkten Messung. Es läßt sich aber mit Erfolg im Speichel messen (s. z.B. Publikation von Yasuda et al im Journal of Men’s Health, March 2008, Vol.5, No.1, S. 56-63)
    2. Ich habe vor ca 2 Jahren einen Fortbildungsvortrag gehalten im Endokrinologikum/Hamburg. Nach meinem Vortrag meinte Prof. Ludwig sinngemäß „Dann müssen wir wohl doch auf die Speichelteste umstellen“. Dazu ist es bisher noch nicht gekommen, weil das Endokrinologikum die Anforderungen zur Normbereichserstellung für die Speichelteste sehr hoch geschraubt hat. Diese Anforderungen erfüllt auch kein kommerzieller Serumtest.
    3. Demeditec hat kein besonderes kommerzielles Interesse an der Vermarktung von Speicheltest, da diese Firma bereits seit mehr als 20 Jahren eben die von mir kritisierten Serumtests verkauft. Daher ist es Demeditec vom kommerziellen Standpunkt relativ egal, ob die Kunden Serum- oder Speicheltests kaufen.
    Aber vom wissenschaftlichen Aspekt spricht alles für die Speichelteste bei den Steroidhormonen. Dies ist im übrigen eine wichtige Einschränkung: Proteohormone oder andere polare Analyten sollte man nie aus dem Speichel messen. Bei den Steroiden hingegen ist der Speichel das ideale Analysenmedium. Steroide sind unpolar und klein. Daher können sie frei durch die Membran wandern, die das Speichel- vom Blutkompartiment trennt. Im Speichel gibt es nur freie Steroide; daher liefert die Speichelanalyse auch das Ergebnis für die freie Fraktion.
    4. Die Speichelanalytik ist in der wissenschaftlichen Literatur schon längst über das Experimentierstadium hinaus. Es gibt zur Zeit mehrere Hundert wissenschaftliche Artikel über die Speichelanalytik pro Jahr, die weitaus überwiegend nicht nur posiiv sind sondern auch hochinteressante Ergebnisse liefern. In der Psychiatrie ist die Bestimmung des Speichel-Cortisols gar nicht mehr wegzudenken. Und die Bestimmung des freien Testosterons im Speichel rückt immer mehr in das Zentrum des wissenschaftlichen Interesses besonders bei Frauen und Kindern, aber auch bei der Diagnostik des Hypogonadismus bei (älteren) Männern. In allen diesen Fällen ist die Konzentration des Testosterons so niedrig, dass nahezu alle koventionellen Serumbestimmungen komplett und vollständig versagen.
    Näheres ist im O-Ton nachzulesen bei:
    Autoren: Joelle Taieb, Bruno Mathian, Francoise Millot et.al.
    Title: Testosterone Measured by 10 Immunoassays and by Isotope-Dilution Gas Chromatography-Mass Spectrometry in Sera from 116 Men, Women, and Children
    Published in: Clinical Chemistry 2003 (49:8) S. 1381 – 1250
    Summary: None of the immunoassays tested was sufficiently reliable for the investigation of sera with low testosterone concentration as to be seen in women and children, in whom low concentrations are expected (<1,7 nmol/L).
    Architect: bias factor 1-3
    ACS 180: bias factor 1,5-3
    Immuno-1: bias factor 0,8-3
    Vidas: bias factor 0,5-2
    Immulite 2000: bias factor 1,5-4,5
    Vitros Eci: bias factor 0,4-2,5
    Auto Delfia: bias factor 0,2-5,0
    Elecsys 2010: bias factor 0,2-1,5
    RIA Immunotech: bias factor 0,6-3
    DPC RIA: bias factor 0,8-2
    Der vorstehende Artikel handelt von der Serum-Bestimmung des Testosterons mit den heute üblichen kommerziellen Analysegeräten.
    Bias-Faktor soll hier heißen: Um diesen Faktor wird das tatsächliche Ergebnis verfehlt. Wie man sieht, geht das bis locker zum Faktor 5 und darüber hinaus. Das hat mit Wissenschaft überhaupt nichts mehr zu tun. Das ist Leuteverdummung auf hohem Niveau zum Schaden des gesamten Gesundheitssystems. Es ist ein Skandal, dass noch heute die Krankenversicherungen eine derartige Müll-Analytik bezahlt! Dann kan man die Ergebnisse auch raten oder würfeln mit ebenso "guten" Ergebnissen.

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