Also ich hätte nicht den Mut dazu.
So kannst du doch nicht rumlaufen.
Das ist doch nicht gesund.
Was sagt denn eigentlich der Arzt?
Wie – du hast ein Kind?
Du musst doch gepflegt aussehen.
Da gibt es doch bestimmt ein Kügelchen.
Also, wenn _ich_ ein Mann wäre, würde mir das nicht gefallen.
Was sollen denn die Leute denken?
Das ist doch nicht schön.
Und so willst du einen Job kriegen?
Das ist nicht natürlich.
Warum machst du es dir so schwer?
Das muss doch nicht sein.
Das ist ja eine Zumutung.
Zu-mut-ung?
Zu mutig?
Es ist fast unmöglich, die Fackel der Wahrheit durch ein Gedränge zu tragen, ohne jemandem den Bart zu versengen.
Georg Christoph Lichtenberg
Quelle: zitate.net
Hier nochmal für alle, die es interessiert: “Die enthaarte Frau” von Margitta Staib ist wieder bei amazon erhältlich. Für mich war dieses Buch eine immense Horizonterweiterung: Die enthaarte Frau.Körper- und Gesichtsbehaarung
In der Bibliothek. Ich gebe ein Buch ab und will dann noch meine Gebühren am Automaten bezahlen. Vor mir ein junger Mann. Er flucht und ruft dem Aufsichtsmenschen zu: “Das Ding funktioniert einfach nicht!” Ich frage, ob er mehr oder weniger als 5 Euro bezahlen muss. Habe selbst schon die Erfahrung gemacht, dass bei weniger die Bezahlung mit der Karte nicht geht. Er dreht sich halb zu mir und sagt, nee, ist schon mehr als 5 Euro. Dann wendet er sich wieder dem Bildschirm zu, noch ein Versuch. Karte einstecken, Geheimzahl eintippen, der Apparat arbeitet. Der Mann dreht sich wieder zu mir:
“Du hast ja einen Bart! Wie kommt denn das?”
Erst jetzt wird mir _sein_ Vollbart bewusst.
“Na der wächst halt.”
“Wie rasierst denn du das? Ist das ein Dreitagebart?”
“Nee, der ist jetzt schon zwei Monate lang.”
“Ah …”
Dann streckt er mir die Faust hin. Ich zögere einen Moment, verstehe dann und stupse kurz meine Faust gegen seine. Männergruß. Cool.
Inzwischen ist die Maschine fertig. Der Mann nimmt die Quittung aus dem Ausgabefach, steckt sie sich zwischen die Zähne und greift seine Krücken und schwingt sich von dannen.
Einen wunderbaren Artikel über Jennifer Miller hat die spanische Zeitung El Mundo im Jahr 2003 veröffentlicht. Der Text ist von Virginie Luc, die Fotos von Gérard Rancinan: El Mundo
Ein DANKE von Herzen an Robert Betz für die Erinnerung an meinen selbst gewählten Bloggernamen:
Wir werden als Löwe geboren, wachsen aber unter Schafen auf und vergessen, dass wir ein Löwe sind, voll unendlicher Kraft, voll unendlicher Kreativität, von unendlicher Liebe und Lebensfreude. Diesen Vorgang des Schaf-Werdens nennt man im Psychologen-Deutsch “Konditionierung”. Wir lassen uns zu angepassten, anständigen, gehorsamen, fernsehenden, pillenschluckenden, verängstigten Lämmern erziehen, deren Lebenshöhepunkt darin besteht, ihre Rente zu erreichen …
Das Schaf will im Allgemeinen nichts davon hören, dass es ein Löwe ist. Das Schaf sucht die Herde, der Löwe sucht das Alleinsein und die bewusste, mutige Entscheidung.
Wer die Entscheidung für die Freiheit trifft, begibt sich auf einen aufregenden Weg. Er öffnet die Tür zu dem, was den Namen “Leben” verdient. Frage dich also in einer stillen Stunde: Will ich frei sein?
Mittlerweile sind im Netz Hunderte Reaktionen zu dem Film “Weiblich, bärtig, ich” über Mariam bei brigitte zu lesen. Alles von “eklig” bis “bewundernswert”. Kaum jemand äußert sich neutral, es geht oft in die Extreme, mit aller Vehemenz.
Ich habe einen Forenbeitrag gefunden, der für mich etwas Besonderes ist. arouet58 ist kein Befürworter von Mariams Aktion. Eher das Gegenteil davon. Bisher ist es der einzige, der weder urteilt (”die Frau hat doch Probleme, das ist doch unnatürlich, unweiblich, sowas will doch kein Mann” etc.) noch Ratschläge gibt, was Mariam tun sollte, sondern sagt, wie es ihm selbst geht. Das bringt uns weiter und ich freue mich über arouet58’s Erlaubnis, seinen Text hier zu zitieren:
Ich muss gestehen, dass ich über meine Reaktion erstaunt bin.
Ekel ist zuviel gesagt, zu sagen, ich fände das Bild nur unschön, zu wenig, Diese Heftigkeit meiner Reaktion war es, die mich überraschte.
Stolz darauf bin ich nicht, denn sie wird dem Menschen hinter dem Bart nicht gerecht, aber diese Reaktion ist vorhanden, ich kann sie nicht verleugnen, weiß nicht, warum sie so heftig ist.
Sie erschwert es mir ungemein, dem Menschen hinter dem Bart auch nur eine Chance zu geben.
Ich sträube mich gegen diesen Anblick, sehr seltsam.
Mit meiner Reaktion auf Homosexuelle ist das überhaupt nicht zu vergleichen.
Tuntige Schwule nerven mich, ich finde sie lächerlich, aber alles andere als ekelhaft.
Das Gleiche gilt für Transvestiten oder Transsexuellle, deren Männlichkeit deutlich wahrnehmbar ist.
Unauffällige Schwule lösen bei mir überhaupt keine besondere Reaktion aus, weder eine positive noch negative. Ich reagiere auf sie wie auf heterosexuelle Männer.
Der Mensch kann mir da sympathisch oder unsympathisch sein.
Ich hätte keine Mühe, ihm eine Chance zu geben, mich auf ihn einzulassen.
Ähnlich geht es mir mit lesbischen Frauen, denen ich vielleicht mit einem gewissen Anfangsmißtrauen begegne, weil ich erwartete, mit erhöhter Wahrscheinlichkeit auf Männerverachtung zu stoßen.
Stelle ich aber fest, dass dieses Mißtrauen ungerechtfertigt ist, habe ich gegenüber Lesben keinerlei Berührungsängste, verbinde keine negativen Gefühle mit ihnen.
Das ist bei dieser Frau anders.
Warum ich auf eine bärtige Frau so heftig reagiere, ich weiß es nicht.
Es erstaunt mich, erschreckt mich fast.
An alle, die ähnlich heftig reagieren: ich bin neugierig. Und ich wäre sehr gespannt darauf, von euren Reaktionen zu lesen.
Was genau fühlt ihr bei Mariams Anblick? (Verunsicherung, Abwehr, Erschrecken, Aufregung, Faszination …? Herzklopfen, Ameisen in der Herzgegend?)
Welche Assoziationen kommen euch? Habt ihr euch schon mal ähnlich gefühlt?
Ändern sich eure Gefühle mit der Zeit oder bleiben sie?
Es gibt einen neuen Schwester-Blog, den ich in die Linkliste aufnehmen will. Rotstern hat vor wenigen Tagen mit dem Schreiben begonnen. Und als ich ihren Eintrag von heute las, konnte ich nur nicken, mich freuen und glücklich sein : Ja, so ist es, es geht nur darum, glücklich zu sein, frei zu sein und zu lieben, was ist.
Ist es ein Zufall, dass ich gerade gestern abend dieses Zitat aus einem Vortrag von Roy Martina vom 17.4.08 in Zürich abgetippt habe?
… ich kann Ihnen vielleicht beibringen, wie sie diese Energie fühlen können … Es ist nicht nur, dass Ihr Leben sich verändert. Es ist einfach kein Widerstand mehr in Ihrem Leben, kein Kämpfen. Sie können dann nichts zu essen haben und sich trotzdem glücklich fühlen. Weil wir dann einfach wissen: das ist der Moment, wo ich diese Herausforderung habe. Das muss in diesem Moment so sein. Der größte Fehler, den wir machen: wir wollen so sein wie andere … Unser Weg ist unser Weg. Wenn die Armut auf Ihrem Weg liegt, dann ist das einfach die Art und Weise, wie Sie fließen. Können Sie arm sein und gleichzeitig glücklich? … Können Sie krank sein und gleichzeitig glücklich? … Das Ziel ist, dass man durch diese Erfahrung hindurchgeht, ohne mit dieser Erfahrung zu kämpfen.
Bartfrauen gibt es nicht,
wenn einer Frau ein Bart wächst, ist sie krank,
Bart bei einer Frau = Hormonstörung,
Dafür gibt es doch eine Creme!,
Das kann man doch sicher lasern!,
Kinnhaare sind unweiblich,
die sieht doch aus, wie ein Mann,
Das ist bestimmt ein Hermaphrodit,
das Experiment wird ein nahes Ende haben,
täglich rasieren ist doch nicht zu viel verlangt,
undsoweiterundsofort.
Jetzt verstehe ich das endlich. Und ich verstehe auch, warum ich meinen Bart zwei Jahrzehnte lang versteckt habe. Ich verstehe, warum ich mich immer noch bei einigen Menschen scheue, mich so zu zeigen, wie ich bin. Der Artikel “Mentale Schutzfilter im Gehirn” bei zeitzuleben.de hat es wunderbar auf den Punkt gebracht:
Wenn wir im Alltag mit Informationen in Kontakt kommen (z.B. im Gespräch oder durch die Medien), werden bei uns ganz oft nur die Informationen durchgelassen, die das bestätigen, was wir für richtig und wahr halten. … Oder wenn sich doch so eine Information in unsere Aufmerksamkeit mogelt, wird sie von uns belächelt, bezweifelt, wegrationalisiert und schnell wieder vergessen. Oder manchmal werden wir sogar richtig sauer, wie jemand so einen Quatsch behaupten kann.